Nachschlagewerk „Gefahrgut-Ersteinsatz“, der „Nüßler“ ist neu!

Das bei Einsatzkräften im deutschen Sprachraum weitverbreitete Nachschlagewerk „Gefahrgut-Ersteinsatz“, der sogenannte „Nüßler“ aus dem Ecomed Storck-Verlag (laut Verlag rund 80.000 Exemplare), ist nach einer Überarbeitung vor wenigen Wochen neu aufgelegt worden. Da auch meine Heimat-Feuerwehr zwei Stück davon angekauft hat, hab ich mich als zuständiger Sachbearbeiter für das Sachgebiet Schadstoff natürlich damit beschäftigt – über die wichtigsten Änderungen und Aktualisierungen zur Vorversion möchte ich euch heute informieren.

Der „Nüßler“ (benannt nach dem Autor und ehemaligen Leiter der Feuerwehr Aachen, Dr.-Ing. Hans-Dieter Nüßler) beruht grundlegend auf dem „Emergency Response Guidebook“ (pdf), das von Transport Canada und dem US-amerikanischen Verkehrsministerium herausgegeben wird. Da auch das ERG aktualisiert wurde, war eine Anpassung der letzten Ausgabe des „Nüßler“ aus dem Jahr 2009 notwendig geworden. Des Weiteren ist laut den Autoren eine Ausgabe des Handbuchs aufgrund von geänderten Bezeichnungen und Zuordnungen von Stoffen ohnehin nur über einen Zeitraum von drei bis 4 Jahren voll gültig – zu späteren Zeitpunkten sind Ergänzungen zu Stoffen möglich und zu beachten!

Die vorliegende Ausgabe des „Nüßler“ ist nach dem gewohnten Schema aufgebaut – eine Anleitung zur Benutzung und die verschieden-farbige Seitenränder führen den Verwender durch das Handbuch. Klar ist aber auch, dass man sich bereits in „Friedenszeiten“ damit beschäftigen muss und nicht erst beim Einsatz, wenn man vor einem leck-geschlagenen Tank, die Anleitung liest:

  • Identifzierung des Stoffes anhand der UN-Nummer oder der Stoffbezeichnung
  • Aufsuchen der dreistelligen Gruppenmerkblatt-Nummer
    nach UN-Nummer auf den gelben Seiten
    nach Stoffbezeichnung auf den blauen Seiten
    bzw. bei speziellen Stoffen (wie Explosiv-Stoffen) auf vordefinierten und angegebenen Seiten
  • Aufschlagen des Gruppenmerkblatts
    Das gefundene Gruppenmerkblatt (rote Seiten) ist vor dem Setzen von Maßnahmen komplett und sorgfältig durchzulesen!
    ACHTUNG: Der „Nüßler“ liefert keine Informationen zu einem definierten Stoff, sondern betrachtet immer Stoffgruppen, die ähnliche Eigenschaften haben und ähnlich reagieren!

Sollte in diesen drei Schritten keine passende Information gefunden werden, ist auf das „Universal“-Merkblatt 111 verwiesen, in dem grundlegende Maßnahmen gelistet sind, die durchgeführt werden sollten, bis weitere Stoffinformationen da sind.

Neben allgemeinen Einsatzregeln für Einsätze mit Gefahrgütern ist speziell für Einsatzkräfte in Österreich ist auch die GAMS-Regel erwähnt und erläutert.

Der Umstellung der Gefahrenkennzeichnung auf Chemikalien aufgrund des „Global Harmonization System“ wird mit einer Gegenüberstellung bisheriger und neuer Symbole besonders Rechnung getragen. In der Übergangszeit können wir bei Einsätzen auf beide Arten der Kennzeichnung stoßen!

Auf den grünen Seiten nach den Gruppenmerkblättern folgen Informationen zu den Themen Absperren, Warnen und Evakuieren und wie Evakuierungsbereiche festgelegt werden können. Das bekannte „MET – Modell für Effekte mit toxischen Gasen“ nimmt wieder einen großen Raum im „Nüßler“ ein und kann als Entscheidungshilfe wertvolle Dienste leisten. Zum besseren Verständnis und zum Einlesen wurden einige Beispiele zur Berechnung von Ausbreitungsmodellen angeführt.

Die abschließenden weißen Seiten geben Auskunft über das Verhalten bei beispielsweise Pipeline-Leckagen nach belgischen Richtlinien sowie allgemein zum Umgang mit Gefahrgut-Informationsquellen.

Für mich als Sachbearbeiter Schadstoff ist der „Nüßler“ ein gelungenes Werk, dass im Einsatzfall eine große Hilfe darstellen kann – wenn man sich rechtzeitig damit beschäftigt. Ich kann es als erstes Nachschlagewerk – bis konkrete Stoffinformationen greifbar sind – nur jedem weiterempfehlen!

1 Antwort

  1. Oli sagt:

    *daumen hoch*

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